Mittelstand-braucht-Entlastung-2025

    Standortschwäche bleibt größte Herausforderung

    Mittelstand braucht Entlastung

    VDA-Umfragen im automobilen Mittelstand zeigen die Auswirkungen der Standortschwäche

    Die Zulieferer der Automobilindustrie – von der klassischen Zulieferindustrie über Entwicklungsdienstleister bis hin zu Dienstleistern entlang der Wertschöpfungskette – sind eine tragende Säule der deutschen Wirtschaft. Sie stehen für Effizienz, Innovationskraft und hohe Spezialisierung und verantworten bis zu 75 Prozent der Wertschöpfung am Fahrzeug. Neben großen, global aufgestellten Zulieferern leisten insbesondere auch mittelständische Unternehmen als technologische Spezialisten einen entscheidenden Beitrag zur globalen Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Automobilindustrie.

    Die zentrale Erkenntnis aus den VDA-Umfragen unter Zulieferern, Entwicklungsdienstleistern und Herstellern von Anhängern und Aufbauten im Jahr 2025 ist: Der automobile Mittelstand befindet sich in einer Phase tiefgreifender Neuorientierung. Die Sicherung von Wertschöpfung, Beschäftigung und Innovationsfähigkeit erfordert verlässliche wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen, tragfähige Finanzierungsstrukturen sowie eine konsequente Ausrichtung auf Effizienz, Nachhaltigkeit und Digitalisierung.

    Die vom VDA regelmäßig durchgeführten Umfragen zeigen, wie stark konjunkturelle Schwäche, strukturelle Standortprobleme, Transformationsdruck und geopolitische Risiken zu einer multiplen Krisenlage kumulieren, die gerade den in der Transformation befindlichen automobilen Mittelstand erheblich belasten. Investitionszurückhaltung, eingetrübte Geschäftserwartungen, zunehmender Auftragsmangel und hohe regulatorische Belastungen prägen das Stimmungsbild, der Industriestandort Deutschland wird als international nicht mehr wettbewerbsfähig beschrieben. Vier von fünf Unternehmen planen, ursprünglich vorgesehene Investitionen in Deutschland zu verschieben, ins Ausland zu verlagern oder ganz zu streichen. Besonders dramatisch zeigt sich dies bei personalintensiven Entwicklungsleistungen, die aufgrund von Kostendruck und nicht wettbewerbsfähigen Arbeitskosten vor Ort durch Entwicklungsdienstleister, aber auch Zulieferer, immer häufiger im Ausland erbracht werden müssen. Gleichzeitig erreicht der Auftragsmangel einen Höchststand, während sich die eigene Geschäftslage weiter verschlechtert. Bürokratie bleibt die größte Belastung. Zusätzliche Unsicherheiten durch geopolitische Spannungen und handelspolitische Risiken, insbesondere im Zusammenhang mit der US-Zollpolitik, beeinträchtigen Export und Außenhandel. Der Beschäftigungsabbau in Deutschland setzt sich fort. Von 2019 bis 2025 mussten Automobilzulieferer 74.000 Arbeitsplätze in Deutschland abbauen, das entspricht 24 Prozent aller Arbeitsplätze in der Zuliefererindustrie.

    Insgesamt wird deutlich: Die Zulieferindustrie ist bereit zur Transformation, und treibt diese gemeinsam mit Herstellern und Entwicklungsdienstleistern voran. Dennoch sehen sich Zulieferer zunehmend eingeschränkten wirtschaftlichen Handlungsspielräumen gegenüber.

    Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie sich Perspektiven automobiler Wertschöpfung unter gegebenen Bedingungen von Strukturwandel, Marktschwäche und geopolitischer Unsicherheit neu bestimmen lassen. Im Fokus steht die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit und Zukunftssicherung durch steigende Effizienz, Innovationsfähigkeit, Digitalisierung und Resilienz. Eine zentrale Herausforderung gerade für mittelständische Automobilzulieferer bleibt dabei die Finanzierung der Transformation aufgrund eines zunehmend restriktiven Zugangs zu Kapital. Investitionen in klimaneutrale Technologien, IT-Infrastrukturen und Künstliche Intelligenz sowie neue Produktionsstrukturen müssen auch unter schwierigen Rahmenbedingungen abgesichert werden.

    Gleichzeitig hat die strategische Verbindung von Produktivität und CO-Reduktion weiter eine hohe Bedeutung. Nachhaltigkeit und Effizienz werden zunehmend als komplementäre Ziele verstanden – verbunden mit einem effizienteren Ressourceneinsatz, neuen Produktionsansätzen und digital unterstützten Prozessen.

    Für Zulieferer rücken zudem Strategien zur Stärkung der unternehmerischen Resilienz stärker in den Fokus. Lieferkettenstabilität, Marktdifferenzierung und der Umgang mit protektionistischen Tendenzen gewinnen an strategischer Relevanz. Digitalisierung, Innovation und Kooperation bilden dabei zentrale Hebel zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit. Technologische Entwicklungen – insbesondere in den Bereichen Automatisierung, datengetriebener Prozessoptimierung und Künstlicher Intelligenz – eröffnen neue Potenziale für Effizienz und Wertschöpfung. „New Lean: Ein neues Produktionsparadigma für Produktivität und Nachhaltigkeit am Standort Deutschland“ war deshalb ein Themenschwerpunkt beim 25. VDA-Mittelstandstag. Zugleich wächst die Bedeutung unternehmensübergreifender Kooperationen zwischen Industrieunternehmen, Entwicklungsdienstleistern und technologieorientierten Partnern. Auch dies war Gegenstand des VDA-Mittelstandstages, der aufgezeigt hat, wie Start-ups, Zulieferer und Hersteller mit gemeinsamen Entwicklungsleistungen technologische Innovationen wettbewerbsfähig auf den globalen Markt bringen können.

    Neue Geschäftsfelder erschließen – Chancen im Zukunftsmarkt Verteidigungsindustrie

    Unter dem Leitmotiv „Zukunftsmarkt Verteidigungsindustrie – Chancen für Automobilzulieferer: Marktzugänge, Regulierung und Investitionsbedingungen“ hat der VDA Informations- und Austauschformate für seine Mitglieder aufgesetzt, die praxisnahe Einblicke in Unternehmen mit Erfahrung im Verteidigungssektor ermöglichen und die Unterschiede zu Strukturen, Prozessen und regulatorischen Rahmenbedingungen der Automobilindustrie beleuchten. Aufbauend darauf wurden Marktpotenziale, Bedarfsentwicklungen sowie Voraussetzungen für einen erfolgreichen Markteintritt vertieft diskutiert. Im Mittelpunkt standen Marktzugänge, regulatorische Anforderungen und Investitionsbedingungen. Deutlich wurde zudem, dass die Finanzierung von Investitionen auch in der Verteidigungsindustrie eine zentrale Herausforderung darstellt. Ergänzende Einblicke in Beschaffungsverfahren und institutionelle Rahmenbedingungen schufen Transparenz über Abläufe, Anforderungen und Kooperationsmöglichkeiten. Insgesamt zeigte sich: Für Teile des automobilen Mittelstands kann die Verteidigungsindustrie ein strategisch relevantes Ergänzungsfeld darstellen – vorausgesetzt, regulatorische Klarheit, Planungssicherheit und geeignete Investitionsbedingungen sind gegeben.

    Keine Transformation ohne Finanzierung

    Herausforderung gerade für mittelständische Automobilzulieferer ist weiter zunehmend die Finanzierung einer großen Transformation der Automobilindustrie. Der Umstieg auf Elektromobilität, die Digitalisierung von Prozessen und die Umstellung auf möglichst klimaneutrale Produktion erfordern erhebliche Investitionen in neue Technologien, Produkte, Anlagen und Kompetenzen. Gleichzeitig zwingen die Marktbedingungen viele Unternehmen dazu, Übergangsphasen über längere Zeit zu finanzieren, in denen das Altgeschäft noch Erträge generiert, während das Zukunftsgeschäft aufgebaut wird. Diese Parallelität erhöht den Kapitalbedarf. Hinzu kommen hohe Standortkosten und sinkende Margen. Dies führt zu eine eingetrübten Branchenbewertung und verschärften Kreditbedingungen. Banken verlangen höhere Sicherheiten, strengere Vertragsbedingungen und kürzere Laufzeiten. Für den industriellen Mittelstand wird der Zugang zu Finanzierungen damit zunehmend schwieriger. Laut einer VDA-Umfrage vom Januar 2026 bewerten 48 Prozent der Unternehmen, die in den vergangenen drei Monaten Kreditverhandlungen mit Banken geführt haben, die Kreditvergabe durch Banken als restriktiv, weitere 16 Prozent sogar als verweigernd. Nur 18 Prozent empfinden sie als neutral. Zugleich steigen der Druck und Kosten durch zusätzliche Prüfprozesse: Jedes fünfte Unternehmen hat bereits ein Sanierungsgutachten erstellt oder rechnet kurzfristig damit.

    VDA fördert den Dialog zwischen Politik und Wirtschaft in den Regionen und in Brüssel

    Mit den regelmäßigen VDA-Länderdialogen mit Politik und Clustern aus den Bundesländern sowie mit dem Format „VDA vor Ort“ stärkte der VDA 2025 den Austausch zwischen Industrie, Politik und regionalen Netzwerken. Die Formate tragen dazu bei, länderspezifische Regulierung, wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen und Förderinstrumente praxisnah auszurichten. Sie fördern den Dialog zwischen VDA-Mitgliedern, Landesministerien und Automobilclustern, ermöglichen den Austausch über Best Practices und unterstützen die Koordinierung gemeinsamer Initiativen zur Sicherung von Wettbewerbs- und Transformationsfähigkeit.

    Gleichzeitig bieten die Dialogplattformen die Möglichkeit, regionale Besonderheiten und standortspezifische Herausforderungen gezielt sichtbar zu machen. Der direkte Austausch vor Ort erlaubt es, die Anliegen der Unternehmen dort aufzunehmen, wo Wertschöpfung stattfindet – von Energie- und Infrastrukturpolitik über Fachkräftesicherung bis hin zu Genehmigungs- und Verwaltungsverfahren. Dadurch entsteht ein vertieftes Verständnis zwischen Wirtschaft, Politik, Gewerkschaften und Wissenschaft. Insgesamt leisten die Formate einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung praxisnaher Lösungsansätze und zur Vernetzung der Akteure entlang der automobilen Wertschöpfungskette.

    Im Rahmen einer Delegationsreise nach Brüssel diskutierten Vertreterinnen und Vertreter mittelständischer Automobilzulieferer mit Entscheidungsträgern der europäischen Institutionen zentrale industriepolitische Themen. Im Mittelpunkt standen Energiekosten, Lade- und Tankinfrastruktur, Bürokratieabbau, Deregulierung sowie Technologieoffenheit beim Klimaschutz. Der direkte Austausch zwischen Unternehmerinnen und Unternehmern und politischen Entscheidungsträgern erwies sich erneut als essenziell, um Verständnis für die konkreten Herausforderungen des industriellen Mittelstands zu schaffen und tragfähige politische Lösungen zu fördern.

    Sichtbarkeit stärken – Die Social-Media-Reihe „Meet our Mittelstand“

    Mit der Content-Serie „Meet our Mittelstand“ gab der VDA 2025 gezielt mittelständischen Unternehmen über die VDA-Website sowie über LinkedIn eine besondere Sichtbarkeit. Vorgestellt wurden technologische Kompetenzen, innovative Produkte und zentrale Anliegen an die Politik. Die Beiträge unterstrichen die Bedeutung des Mittelstands für Innovation und Beschäftigung und machten zugleich den Bedarf an verlässlichen, wettbewerbsfähigen Rahmenbedingungen deutlich. Besonders häufig genannt wurden Energiepreise, Bürokratielasten sowie Planungs- und Genehmigungsverfahren.