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    Marktentwicklung

    Das Jahr 2020 für die deutsche Automobilindustrie

    Bedingt durch die Coronakrise lag das Zulassungsvolumen 2020 auf niedrigstem Stand im wiedervereinigten Deutschland. Doch die Nachfrage nach Pkw mit alternativen Antrieben steigt.

    Bedingt durch die Coronakrise lag das Zulassungsvolumen 2020 auf niedrigstem Stand im wiedervereinigten Deutschland. Doch die Nachfrage nach Pkw mit alternativen Antrieben steigt.

    2020 war ein turbulentes Jahr auf dem deutschen Pkw-Markt. In der Jahresbilanz schlägt ein Neuzulassungsniveau von 2,9 Millionen Neufahrzeugen zu Buche, 19 Prozent weniger als im Vorjahr. Dies war das niedrigste Neuzulassungsniveau im wiedervereinigten Deutschland. Das Jahr war geprägt durch den Einfluss der Coronapandemie. Während in der ersten Jahreshälfte ein Rückgang der Neuzulassungen von 35 Prozent hingenommen werden musste, lag der Rückgang in der zweiten Jahreshälfte bei lediglich drei Prozent. Prägend für die Entwicklung war das staatliche Eingreifen zur Eindämmung der Coronapandemie. Im Zuge des ersten Lockdowns, der am 22. März begann und ab dem 6. Mai gelockert wurde, brachen die Neuzulassungen massiv ein. Das Minus von 61 Prozent im April markiert den größten Rückgang auf dem deutschen Pkw-Markt jemals. Erst mit Einsetzen des Konjunkturpakets (unter anderem verminderte Mehrwertsteuer, erhöhter Umweltbonus) fasste der Markt wieder Fuß. Jedoch erst im vierten Quartal wurde ein positives Ergebnis erzielt. Dieses wiederum lag ein Prozent über dem bereits guten Ergebnis des Vorjahresschlussquartals. Der Dezember war mit 311.000 neu zugelassenen Pkw sogar der stärkste Dezember auf dem deutschen Pkw-Markt aller Zeiten.

    Haltergruppen

    Insbesondere die verminderte Mehrwertsteuer in der zweiten Jahreshälfte wirkte sich massiv auf die Anteile der Haltergruppen in den Neuzulassungen aus. In der ersten Jahreshälfte verlief die Entwicklung von privaten und gewerblichen Neuzulassungen mit einem Minus von 36 beziehungsweise 34 Prozent nahezu im Gleichschritt.

    Ab Juli gingen die Dynamiken dann in unterschiedliche Richtungen. Während private Halterinnen und Halter im dritten und vierten Quartal insgesamt 14 Prozent mehr Neufahrzeuge anmeldeten als im Vorjahr, ging das Volumen der gewerblichen Neuzulassungen um elf Prozent zurück. Dies ist darauf zurückzuführen, dass private Halter stärker auf die Mehrwertsteuersenkung reagierten. 

    Antriebsarten

    Einen besonderen Schub hat im vergangenen Jahr der Wandel unter den Antriebsarten im deutschen Pkw-Markt erfahren. Während die Zahl der abgesetzten Benziner und Diesel um eine Million Neufahrzeuge sank, stieg das Neuzulassungsvolumen von Pkw mit alternativen Antrieben um fast 420.000 Fahrzeuge.

    Besonders stark war die Wachstumsdynamik bei rein elektrisch angetriebenen Pkw (BEV, +207 Prozent) und Plug-in-Hybriden (PHEV, +342 Prozent). Besonderen Einfluss hatte der erhöhte Umweltbonus, der nach Verabschiedung des Konjunkturpakets ab der zweiten Jahreshälfte wirksam wurde. Während das Neuzulassungsvolumen von Elektro-Pkw (BEV, PHEV und Fuel Cells) in der ersten Jahreshälfte um 97 Prozent stieg, beschleunigte sich die Dynamik in der zweiten Jahreshälfte auf 392 Prozent. 2020 wirkte sich auch die CO₂-Regulierung stark aus, da die Hersteller in 95 Prozent ihrer zugelassenen Flotte einen durchschnittlichen CO₂-Ausstoß von rund 95 Gramm pro gefahrenen Kilometer nicht überschreiten durften.

    Herstellerländer

    Die Fahrzeuge deutscher Konzernmarken stehen weiterhin hoch in der Gunst der Kundinnen und Kunden. Im vergangenen Jahr lag ihr Marktanteil bei 69,1 Prozent. Absolut wurden zwei Millionen Neufahrzeuge mit „deutschem Logo“ angemeldet.

    Mit 283.300 neu zugelassenen Neufahrzeugen stehen französische Hersteller unter den Importeuren weiter hoch im Kurs. Ihr Marktvolumen sank mit 18 Prozent etwa so stark wie der Gesamtmarkt. Ihr Marktanteil stieg geringfügig von 9,6 auf 9,7 Prozent. Mit 244.400 Neufahrzeugen brachten japanische Hersteller etwas weniger Pkw an den Kunden. Ihr Absatz sank um 22 Prozent, sodass sich ihr Marktanteil auf 8,3 Prozent senkte (Vorjahr: 8,6 Prozent). Nachdem koreanische Hersteller im vergangenen Jahr erstmals mehr als 200.000 Neufahrzeuge in den Markt brachten, sank ihr Absatz 2020 wieder unter diese Marke. Mit 171.100 Pkw (-15 Prozent) lag ihr Volumen auf dem Niveau von 2016. Ihren Marktanteil konnten sie leicht von 5,6 auf 5,9 Prozent steigern. Robust zeigte sich der Absatz italienischer Marken. Mit 95.200 Pkw lag ihr Absatzniveau nur um ein Prozent unter dem Vorjahreslevel. Ihren Marktanteil konnten sie dadurch von 2,7 auf 3,3 Prozent steigern.

    Fahrzeugsegmente

    Trotz des turbulenten Jahresverlaufs konnten die SUV beziehungsweise Geländewagen ihre dominierende Stellung unter den Segmenten festigen. Ihr Neuzulassungsvolumen sank mit 18 Prozent etwas weniger stark als der Gesamtmarkt. Ihr Marktanteil stieg somit von 31,3 auf 31,8 Prozent. 

    Den größten Marktanteilssprung machten die Kleinwagen, deren Marktvolumen um nur neun Prozent zurückging. Ihr Marktanteil stieg damit von 13,5 auf 15,1 Prozent.
     

    Ansprechpartner

    Alexander Fritz

    Economic Intelligence & Volkswirtschaft

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