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    Mobilitätspolitik

    Es gibt bessere Lösungen als ein starres Tempolimit auf freien Strecken

    Immer wieder wird über die Einführung eines generellen Tempolimits in Deutschland diskutiert. Dabei wäre es gar nicht die Lösung für die Probleme, die es beheben soll.

    Immer wieder wird über die Einführung eines generellen Tempolimits in Deutschland diskutiert. Dabei wäre es gar nicht die Lösung für die Probleme, die es beheben soll.

    Tempolimits zielgerichtet setzen

    In der politischen Diskussion werden immer wieder Forderungen nach einem generellen Tempolimit in Deutschland laut – also auch auf Autobahnen.  

    Aus Sicht der Automobilindustrie hat sich jedoch der Ansatz der Richtgeschwindigkeit von 130 km/h auf den Autobahnen bewährt. Statt pauschaler Limits sollten Geschwindigkeitsbegrenzungen zielgenau dort angewendet werden, wo es sinnvoll ist, also etwa auf Autobahnabschnitten mit erhöhtem Unfallrisiko oder aufgrund der baulichen Situation (beispielsweise kurvige oder Gefällstrecken). Zudem können Tempolimits durch Verkehrsbeeinflussungsanlagen flexibel in Abhängigkeit von der aktuellen Wetterlage oder dem Verkehrsaufkommen angezeigt werden. Solche dynamischen Begrenzungen stoßen auch bei den Autofahrern auf größere Akzeptanz. Starre Tempolimits – angezeigt durch Blechschilder – die für alle Verkehrs- und Wetterverhältnisse immer ein und dieselbe Höchstgeschwindigkeit anzeigen, passen dagegen nicht in das moderne Verkehrssystem des 21. Jahrhunderts. Die weitere Digitalisierung von Fahrzeugen und Infrastruktur wird die Voraussetzungen für situations- und streckenbezogene Regelungen noch weiter verbessern.  

    Autobahnen sind die sichersten Straßen

    Das Risiko, auf der Landstraße getötet zu werden, ist etwa 3,5 Mal so hoch wie das, auf einer Autobahn tödlich zu verunglücken. Verkehrssicherheitspolitik sollte daher vor allem bei den Landstraßen ansetzen. Zudem werden die Autobahnen immer noch sicherer. Allein zwischen 2000 und 2020 hat sich die Zahl der Unfalltoten auf deutschen Autobahnen um rund zwei Drittel reduziert. Insbesondere die Ausstattung der Fahrzeuge mit modernsten Fahrerassistenzsystemen hat hierzu beigetragen. Auch im internationalen Vergleich ist ein Zusammenhang zwischen einem generellen Tempolimit und dem Sicherheitsniveau auf Autobahnen nicht feststellbar. Länder mit allgemeinen Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Autobahnen wie Belgien, Frankreich, Italien oder Österreich schneiden nicht besser ab als Deutschland. Zudem lassen sich in Deutschland auf Autobahnabschnitten ohne Begrenzung nicht generell mehr Unfälle nachweisen als auf limitierten Strecken. 

    Tempolimit hätte nur geringen CO2-Effekt

    Auch für den Klimaschutz hätte ein generelles Tempolimit in Deutschland nur einen sehr geringen Effekt. So würde zum Beispiel ein Tempolimit von 120 km/h die deutschen Treibhausgasemissionen um kaum mehr als 0,2 Prozent absenken. Zudem wäre dies volkswirtschaftlich eine sehr teurer Klimaschutzmaßnahme. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft kommt zu dem Ergebnis, dass – bewertet man die mit Tempolimits verbundenen Zeitverluste – die Kosten pro eingesparter Tonne CO2 zwischen 716 Euro (für Tempo 130) und 1.382 Euro (für Tempo 100) liegen. Daher kommt das Institut zu dem Ergebnis, dass ein allgemeines Tempolimit aus volkswirtschaftlichen Gründen abzulehnen ist.  

    Generelles Tempolimit auf Autobahnen ohne Effekt für Lärmschutz

    Eine generelle Geschwindigkeitsbegrenzung auf deutschen Autobahnen kann auch keinen Beitrag zum Lärmschutz leisten. Ab einem Schwerverkehrsanteil von zehn Prozent – was auf über 95 Prozent der Autobahnen der Fall ist – spielen Pkw-Geräusche keine Rolle mehr. Dies zeigte auch ein Großversuch an der A 45. 

    Brauchen wir ein Tempolimit auf deutschen Straßen, Frau Müller?

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    Hildegard Müller auf einem Stuhl
    Ansprechpartner

    Dr. Michael Niedenthal

    Leiter des Fachbereichs Transportpolitik

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